Wissenswertes

Unser Freund in Neuseeland

Teil 1: Das Leben während der Corona Krise in Neuseeland

Die leere Innenstadt von Wellington
Wie ausgestorben! Die Rush Hour in der Innenstadt.
Foto: Stefan

Stefan ist unser Freund in Neuseeland. Er ist aus unserer Heimat Mecklenburg-Vorpommern an das andere Ende der Welt gezogen um sich seinem Lebenstraum zu widmen. Der Antarktis.
Unser heutiges Thema ist typischerweise das, das uns aktuell wohl alle beschäftigt. Corona. Doch wie sieht das Leben mit Corona in Neuseeland aus, unten am anderen Ende der Welt?
Ich habe das letzte Videotelefonat mit Stefan mal ganz einfach aufgelistet:

Wie geht es dir in der aktuellen Situation?

Die leere Innenstadt von Wellington
Wer noch zur Arbeit muss, hat zumindest eine angenehme Anfahrt.
Foto: Stefan

Ich habe es furchtbar glücklich mit meinem Job getroffen. Ich habe keinerlei Einbußen. Mir tun die Leute so leid. Ich muss mich schon immer zurückhalten, wenn die Leute erzählen wie schlecht es ihnen geht. Ich kann mich gerade einfach nicht beschweren.

Wie sieht es denn gerade genau mit deinem Job aus?

Ich arbeite aktuell für die Victoria Universität in Wellington. Dort als Forscher im Antarctic Research Center. Es ist ein ziemlich geiler Job, ich mag den wirklich sehr. Es war zum Glück möglich, einfach mit meinem Notebook nach Hause zu ziehen. Wie lange das geht muss man natürlich mal sehen. Die Forschungen dort sind immerhin öffentlich gefördert. Man weiß nie wo solche Gelder dann nicht mehr verfügbar sind, weil anderes gerade wichtiger ist.

Wie strikt sind die Auflagen gerade bei euch in Neuseeland?

Wir habe ziemlich strenge Maßnahmen. Vor 5 Wochen hatten wir noch nicht mal 100 Fälle in Neuseeland. Da wurde entschieden, dass es einen kompletten Lockdown geben wird. Innerhalb von zwei Tagen wurde der Lockdown von Level 2, auf die die höchste Stufe Level 4 angehoben. Level 4 bedeutet, alles ist komplett zu. Nur noch Krankenhäuser und Lebensmittelgeschäfte. Man muss zu Hause bleiben, darf niemanden besuchen.

An der Promenade mit Blick auf Häuser am Hügel.
Die Promenade, fast menschenleer…
Foto: Stefan
An der Promenade mit Blick auf das Wasser.
…nur ein paar Jogger sind unterwegs.
Foto: Stefan

Wie sehen deine Einkäufe aus?

Ich wohne zurzeit in einer Wohngemeinschaft mit 5 Personen. Einer von uns geht wöchentlich einmal mit einer großen Liste los. Das war auch Vorgabe der Regierung, Einkäufe sollen gebündelt werden. Es dürfen nur Einzelpersonen einkaufen. Es gab teilweise dramatische Szenen, in denen Mütter von ihren Kindern getrennt wurden. Ist ein wenig blöd, ergibt aber auch Sinn.

Auf den Parkplätzen der Supermärkte stehen die Leute dann in langen Schlangen mit 2-3 Meter Abstand und werden nach und nach reingelassen.

Was aber wirklich super ist, dass die ganzen kleinen Lebensmittelläden, die Eckläden, überall offen sind. Das nimmt die Last von den großen Läden. Leute machen die wichtigen Einkäufe so auf kurzen Wegen, keiner muss ins Auto steigen.

Baumärkte sind übrigens nur für Gewerbetreibende geöffnet. Jetzt haut jeder seinen Kumpel über vier Ecken an, ob er nicht was aus dem Baumarkt mitbringen könnte.

Was fehlt in den Supermärkten?

Es ist eigentlich ähnlich wie in Deutschland. Mehl, Konserven und Toilettenpapier waren ausverkauft. Engpässe gab es aber nur in der Anfangszeit beim Sprung auf Lockdown Level 4. Die Neuseeländer sind grundsätzlich ziemlich diszipliniert.

Was auch schnell knapp wurde ist Bier. Die Leute haben das gute Wetter genutzt, sich in den Garten gesetzt und erstmal ein Bier aufgemacht. Nach der ersten Woche Lockdown Level 4 wurden alkoholische Getränke dann reguliert.

Wie verbringst du deine Freizeit gerade?

Ich gehe oft Fahrrad fahren, um die Energie rauszulassen. Da trifft man auf nicht so viele Leute.

Ein verlassener Straßenzug an der Promenade
Hier wird ausschließlich geparkt…
Foto: Stefan

Dürft ihr euch im Land bewegen?

In der ersten Woche des Lockdown Level 4 durfte man sich noch durch Neuseeland bewegen, um nach Hause zu kommen, wenn man noch irgendwo unterwegs war. Das wurde auch streng kontrolliert. Danach war nichts mehr möglich. Man musste in seiner Umgebung bleiben. Wer irgendwo ein Ferienhaus besaß, durfte nicht hin.

Jetzt im Lockdown Level 3 darf man dringende Reisen machen, um Verwandte zu betreuen o.ä. Reisen allgemein ist verboten. Niemand darf wandern gehen. Auch Surfen ist verboten, da bei eventuellen Unfällen einfach die Rettungskräfte fehlen könnten. Spazieren gehen ist erlaubt.

Wie sieht es direkt in Wellington aus?

Es ist einfach spannend. Das aktuell noch tolle Spätsommer Wetter lässt dich erwarten, dass die Straßen oder z.B. die Promenade am Hafen mit Leuten bevölkert sind. Aber es ist alles leer. Es ist wie in einem Hollywood Film, einfach surreal. Man kennt diese Situationen aber schon von Erdbeben. Dann aber nur für ein paar Tage.

Der öffentliche Nahverkehr ist noch unterwegs, aber unregelmäßiger. Die Busse sind aber ohnehin fast komplett leer. Die Aufrechterhaltung des Nahverkehrs soll gewährleisten, dass die systemrelevanten Arbeitsplätze auf jeden Fall erreicht werden können.

Ein verlassener Straßenzug am botanischen Garten
Ein verlassener Straßenzug am botanischen Garten.
Foto: Stefan
Ein verlassener Straßenzug.
Verlassene Straßen.
Foto: Stefan

Dass die Straßen so leer sind, liegt sicher auch an den fehlenden Touristen!?

Mein größter Feiertag war, als das letzte Kreuzfahrtschiff aus der Stadt raus war. Die Dinger spucken im Sommer täglich 10000 -15000 Touristen aus. Aber ja, die fehlenden Touristen bemerkt man schon sehr.

Man nimmt es aber auch an der Natur war. Im Park hier um die Ecke merkt man, dass viel mehr Vögel unterwegs sind, da sie nicht mehr gestört werden. Das ist auf jeden Fall mal eine Chance für die Natur sich zu erholen. Neuseeland ist eben ein sehr touristisches Land, solche Möglichkeiten gibt es für die Natur sonst nie.

Wie schätzt du den weiteren Corona Verlauf in Neuseeland ein?

Wir haben jetzt wahrscheinlich die einmalige Chance Neuseeland komplett von Corona zu befreien. Aktuell sind wir bei 8 neuen Fällen am Tag. Die Aussichten sind gut, dass wir in 2-3 Wochen bei keinen neuen Ansteckungen mehr sind. Da müssen wir unserer Premierministerin, Jacinda Ardern, danken, dass sie von Anfang an hart durchgegriffen hat. Das ist der Inselvorteil!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.